Der Weihnachtsalbtraum

Heute schreiben wir den 23. Dezember 2020 und von der Kolumne sind wir natürlich noch lange nicht bei diesem Datum angelangt. Dennoch möchte ich vorgreifen und euch erklären, wie Weihnachten in diesem Jahr für Menschen wie mich aussieht. 

Vorwort: 

Vorweg möchte ich sagen, dass dieser Beitrag emotional behaftet sein wird und weniger sachlich ist als die Vorherigen. Was daran liegt, dass ich selbst betroffen bin. Des Weiteren werde ich jetzt einen gewissen Zeitablauf in meiner Kolumne überspringen, denn ich möchte verdeutlichen, wie das diesjährige Weihnachtsfest für viele Menschen in Deutschland aussehen wird. 

Die Überbrückungs- und Novemberhilfe: 

Seit dem 2. November 2020 befinden wir uns in einem neuen Lockdown Leid, wie ich ihn gerne bezeichne. Denn für viele Menschen, Unternehmer und Familien besteht er aus genau diesen Emotionen. Immerhin stellte man uns zu diesem Zeitpunkt aber noch ein verhältnismäßig normales Weihnachten in Aussicht. Wobei vielen Menschen hier schon klar war, dass dies nicht eintreffen würde. Und siehe da, von diesem angeblichen lockeren Lockdown rutschen wir in einen erneuten harten Lockdown ohne normales Weihnachten und Silvester. 

Um die Betroffenen zu unterstützen, versprach man eine sogenannte Novemberhilfe. Mit dieser sollten 70 % des Vorjahresumsatzes an die betroffenen Person ausgezahlt werden. Klingt ja erst einmal ganz gut. Aber zum Verständnis hier einmal die Info, wie diese 70 % berechnet werden. Es geht um den Nettowert des Kalendermonatnovember im Vorjahr. Von diesem werden dann 70 % berechnet, welche dann erneut zu versteuern sind. De facto bleibt dann also nur noch ein minimaler Betrag übrig. Klingt dann irgendwie nicht mehr so toll. Was aber auch vollkommen irrelevant ist, denn diese Gelder werden wohl frühestens im Januar vollständig ausgezahlt, da es noch keine Software für die Berechnung gibt, diese wird voraussichtlich erst im Dezember fertig sein. Aus diesem Grunde bekamen wir sogenannte Abschlagszahlungen. Ich erhielt ganze 370 €. Ein Betrag, der nicht einmal für die Miete ausreicht. 

Weiterhin haben wir die Möglichkeit, sogenannte Überbrückungshilfe zu beantragen. Einen Pauschalbetrag in Höhe von 1.000 € monatlich, welcher angeblich nicht zurückgezahlt werden muss. Ich sage hier angeblich, weil man dies mit der Corona Soforthilfe ja auch noch einmal gedreht hat. Diese Hilfe bezieht sich auf die Monate September, Oktober, November und Dezember. 

Für mich wurde die Überbrückungshilfe natürlich beantragt, ist bis heute aber nicht eingegangen. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass ich seit dem 2. November 2020 nicht mehr arbeiten darf und bis heute, dem 23. Dezember 2020 ganze 370 € Unterstützung erhalten habe. 

Das Weihnachtsfest: 

Die Medien suggerieren uns in den letzten Wochen immer wieder im trauten Heim zu bleiben. Kein großes Weihnachtsshopping zu betreiben, nicht groß zu feiern. Wenn Menschen wie ich diese Nachrichten hören, wird ihnen sicherlich speiübel. Denn aufgrund der aktuellen Situation können wir uns doch gar kein Weihnachten leisten. Geschenke kaufen, wovon denn? Zur Familie fahren, gar nicht dran zu denken und auch ein besonderes Essen oder Sonstiges fällt für Menschen wie mich aus. Ich bin mittlerweile an einem Punkt angelangt, an dem ich meine Fixkosten für Januar gerade noch decken kann, wenn ich keine Lebensmittel mehr für mich kaufe. Ich muss sehr behutsam mit meinen Vorräten umgehen, bloß nicht zu viel essen, damit für die nächsten Tage noch genügend da ist. Unter diesem Aspekt lebe ich bereits seit ca. 1,5 – 2 Wochen. Die Sorgen, Nöte, Ängste und Probleme werden jeden Tag größer und verzehren einen immer mehr. An eine „Normalität“ wie es immer so schön in den Medien genannt wird, kann ich mich schon gar nicht mehr erinnern, denn in meinem Leben ist gar nichts mehr normal. Aus einem Leben, welches einst Normal verlief, in dem ich für mich selbst aufgekommen bin, ist ein großer Trümmerhaufen geworden, für den ich nicht einmal etwas kann. 

Das es bekannterweise insbesondere in der Weihnachtszeit zu verstärkten Suiziden kommt, ist allseits bekannt. Eine Situation, die ich nie nachvollziehen konnte. Heute muss ich allerdings einräumen, dass ich dies wesentlich besser verstehe. Ich kann nur immer wieder betonen, wie froh ich bin, keine Kinder zu haben, in deren traurigen Augen ich schauen muss, um ihnen zu erklären, dass das Christkind nicht kommen wird. Ein Zustand der für viele Familien nur schwer zu ertragen sein dürfte. 

Das Fazit, für einen Großteil der Menschen, die auf die Hilfe der Regierung angewiesen sind, wird es kein Weihnachten geben. 

Die Körperlichen Symptome: 

Leider endete dieser Albtraum nicht bei den mentalen Problemen, die einen jeden Tag ein klein wenig mehr auffressen. Das sich die Psyche auch auf unseren Körper auswirkt ist ja kein Geheimnis und auch ich bin nicht frei von körperlichen Beschwerden, die durch die zuvor beschriebene Stresssituation in meinem Leben verursacht werden. 

Seit Wochen fühle ich mich sehr abgeschlagen. Ich habe kein Zeitgefühl, keinen Alltag mehr und kann mich nur sehr schwer überhaupt noch zu den kleinsten Dingen motivieren. Ich sitze oft stundenlang an einer Stelle und starre Löcher in die Luft. Dazu kommen oft Übelkeit und Schwindelgefühle wie verspannter Rücken und Nacken. Abgesehen davon habe ich seit 5 Wochen massive Blutungen und ich bin mir sicher, dass eine normale Periode nicht so lange dauert. Aber immerhin lebe ich noch, auch wenn ich mich selbst nicht mehr erkenne. 

Dies nur mal als kleiner Einblick dahin, wie es vielen Menschen in Deutschland kurz vor Weihnacht gehen dürfte und wer nun noch an ein Weihnachtswunder glaubt, dem kann ich auch nicht mehr helfen. Ich glaube schon lange nicht mehr an Wunder oder eine Rettung. 

Der Beitrag von Lady Lucy gelesen: 

Anmerkung: 

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