Das Interview

Viele von euch werden es im Monat März sicherlich mitbekommen haben. Ich habe euch die Möglichkeit gegeben, mir eure Fragen zu zusenden, die ich dann in einem Interview für euch beantworte. Dabei ist einiges zusammengekommen, weswegen die Bearbeitung doch etwas länger gedauert hat, als ursprünglich gedacht. Dennoch folgt nun das Ergebnis. Ich wünsche euch sehr viel Spaß damit. 

Wie kamen Sie zum BDSM?

Mit 15 Jahren fiel mir durch einen Zufall das Buch, „Die Geschichte der O“ in die Hände. Ich habe wohl selten ein Buch schneller durchgelesen als dieses. Ich war absolut fasziniert von der Geschichte und der Erziehung der „O“. Natürlich war mir schon zu Beginn des Buches aufgefallen, dass dieses angeblich auf wahren Begebenheiten beruhen sollte. Aber wir wissen ja, wie das ist. Ein Film beginnt und direkt am Anfang werden wir mit dem Vermerk „Beruht auf wahren Begebenheiten“ darauf hingewiesen, dass der Sachverhalt echt ist. Recherchiert man aber lange genug zu dieser Thematik, stellt man schnell fest, dass vielleicht 10 % der Geschichte der Realität entspringen. Ich war also doch recht skeptisch. Dennoch suchte ich einen Anhaltspunkt, der darauf schließen lies, dass es möglich ist, einen anderen Menschen nach seinen eigenen Vorlieben und Wünschen zu erziehen. Letztendlich stellte ich fest, dass es BDSM gibt. Nachdem ich mich eingehend mit der Thematik beschäftigt habe, wurden Praxisversuche vorgenommen und mein Interesse an diesem Bereich wurde immer größer, sodass meine Gier nach BDSM bis heute nicht vollständig gesättigt werden konnte. 

Wie entdeckten Sie Ihre sadistische Ader?

Gerade im privaten Bereich konzentriert man sich oftmals nur auf einen Bottom. So auch in meinem Fall. Jeder Mensch hat natürlich andere Vorlieben und Tabus, sodass der Bereich Sadismus und/oder Masochismus in meinem Fall nie Thema war. Erst in meinen ersten professionellen Sessions traf ich auf leidenschaftliche Masochisten. Ich erinnere mich sehr gut an das Funkeln in den Augen, wenn ich sie beispielsweise züchtigte, welches sich stetig mit einem Blick der Qual und des Leids vermischte, wissend was auf sie zukam. Selten hat mich etwas so befriedigt, wie dieses Wechselbad von Gefühlen, binnen Sekundenbruchteilen in einem Gesicht zu beobachten. Ein absolutes Hochgefühl für mich und die Geburtsstunde meines Sadismus. 

Welche Fetische bevorzugen Sie?

Eine Frage, die sicherlich nicht ganz einfach zu beantworten ist, da man BDSM ja eher selten alleine auslebt. Ich finde, es kann sehr beflügelnd sein, wenn man sieht, wie dankbar ein Bottom ist, wenn man seinen Fetisch befriedigt, obwohl es nicht unbedingt der eigene ist. Doch genau dieses beflügelnde Gefühl, kann einen so mitreißen, dass man alles Weitere abgesehen von dem Moment, vergisst. Dennoch, es ging ja um meine Vorlieben. Tatsächlich ist zum Beispiel innerhalb der Bekleidung etwas schwer mich in Latex, Leder oder Lack Schublade zu stecken, da ich insbesondere mit meinen 50er-Jahre Kleidern einen ganz eigenen Stil habe. Möchte man dies also als einen Fetisch betrachten, ist diese Art der Kleidung meiner. Des Weiteren bin ich ein absoluter Klinikfetischist, der es liebt, intensive Untersuchungen durchzuführen. Im Grunde genommen, mache ich aber alles sehr gerne, an dem beide Parteien Spaß haben. 

Bevorzugen Sie kurze Sessions oder längere Erziehungen?

Ich finde das hängt ganz davon ab, wie gut man sich bereits kennt. Angenommen man hat eine Session über mehrere Stunden ohne sich zu kennen. Man merkt bereits zu Beginn, dass die Harmonie nicht ganz übereinstimmt. Dann kann eine solche Session schnell Dröge werden. Darum bevorzuge ich es erst einmal, sich in einer 1-stündigen Session kennenzulernen. Wenn alles passt, mache ich dann auch gerne Langzeiterziehungen. 

Sie bieten auch Shibari an. Eine besondere Form des Bondage. Haben Sie sich die Bondage Praktiken selbst beigebracht oder haben Sie Kurse besucht? Vielleicht auch schon bekannte Namen aus der Szene?

Shibari ist natürlich eine Form des Fesselns, die man nicht von heute auf morgen lernt. Man muss am Ball bleiben und es dauert seine Zeit, bis sich die ersten Erfolge einstellen. Insbesondere dann, wenn man sich hohe Ziele steckt. Da schlechtes Fesseln auch große Gefahren mit sich bringt, habe ich mich entschlossen, es vernünftig anzugehen und habe Einzelunterricht gebucht. Jede Woche 3 – 4 Stunden fesseln. Abgesehen davon besuchte ich im vergangenen Jahr einen Wochenendkurs bei Matthias Grimme, der mich und meine Fesselpartnerin noch einmal ein ganzes Stück weiter gebracht hat. Einen Workshop bei Herrn Grimme kann ich in diesem Fall nur empfehlen. Alles Weitere ergibt sich dann durch regelmäßiges üben. 

Sie bieten neuerdings „tease and denial“ mit der Venus 2000 an. Von diesem Gerät gibt es sehr viele unterschiedliche Meinungen. Wie ist Ihre?

Nun, als Frau kann ich sicherlich nicht nachvollziehen, wie ein Mann dabei fühlt oder empfindet. Trotz alledem ist auch mir bekannt, dass viele die Venus als lustvoll, andere als störend empfinden. Aber wie sollte es auch anders sein? Denn seien wir mal ehrlich, es steht ja auch nicht jeder beispielsweise auf Nadlungen, was auch gut ist. Denn nur so kann BDSM abwechslungsreich gestaltet werden. Ich für meinen Teil denke, dass es für jeden die richtige Praktik oder das richtige Spielzeug gibt und ich denke wenn man die Venus gekonnt im richtigen Moment einsetzt, kann sie ungemein luststeigernd sein. 

Welche Zukunftspläne haben Sie?

Im Moment gibt es noch einige Praktiken, die ich lernen möchte und noch weitere Bereiche, auf die ich mich näher spezialisieren möchte. Was das genau ist, werde ich aber noch nicht verraten, dass wird dann wohl die Zukunft bringen. 

Des Weiteren erhoffe ich mir natürlich noch sehr viele Sessions, mit vielen Wechselbädern aus Gefühlen, Emotionen und einer Menge Spaß. 

Der Beitrag von Lady Lucy gelesen: 

Anmerkung: Leider wurden mir auch sehr viele Fragen geschickt, die mich persönlich betreffen. Bitte seht es mir nach, dass diese in meinem Interview nicht auftauchen.